Das Krankheitsbild:

Morbus Bechterew

Die Bechterew-Krankheit - Fachausdruck "ankylierende Spondylitis" - ist eine langsam fortschreitende Erkrankung der Wirbelsäule und der an diese grenzenden Gelenke. Sie ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Bewegungseinschränkung und Krümmung der Wirbelsäule. In manchen Fällen führt die Erkrankung dazu, dass einzelne oder mehrere Gelenke vollständig steif werden.

  Wie entsteht die Bechterew-Krankheit?

Der genaue Mechanismus der Krankheitsentstehung ist nicht bekannt, es wird jedoch von einer erblichen Neigung in Zusammenhang mit dem so genannten HLA-B27-Gen ausgegangen. Die Erkrankung tritt daher mit einer gewissen familiären Häufung auf. Was schließlich zum Ausbruch führt, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise löst eine bakterielle Infektion des Magen-Darm-Traktes oder der Harnwege eine Gelenksentzündung mit schleichender Zerstörung der Gelenkflächen aus. Der Knochen, der an das betroffene Gelenk angrenzt, bildet sich außerdem übermäßig stark aus, was die Beweglichkeit der Gelenke zusätzlich einschränkt. Insgesamt ist etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei Männer etwa drei Mal so häufig erkranken wie Frauen. Meist tritt die Krankheit zwischen dem 16. und 40. Lebensjahr auf.

  Welche Symptome können bei Morbus Bechterew auftreten?

Die Symptome verändern sich entsprechend dem Krankheitsstadium:

Frühzeichen:

  • Über mindestens drei Monate anhaltende, tief sitzende Rückenschmerzen: Sie nehmen frühmorgens sowie im Ruhezustand zu. Ausgehend von den Kreuzdarmbeingelenken strahlen die Beschwerden in das Gesäß und beide Oberschenkel aus. Beim Husten oder Niesen verstärkt sich der Schmerz. 
  • Gelegentliche Hüft-, Knie- und Schulterschmerzen
  • Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Stimmungsschwankungen

Weiterer Krankheitsverlauf:

  • Variabel: Der klassische Verlauf erfolgt in Schüben.
  • Nach Monaten bis Jahren verändern sich Körperhaltung und -bewegung in typischer Weise: Während die untere Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule) abflacht, krümmt sich die Brustwirbelsäule - ein Buckel bildet sich aus. Zum Ausgleich streckt sich der Hals, Hüft- und Kniegelenke beugen sich.
  • Das Blickfeld kann beim Geradeausschauen eingeschränkt sein.
  • Große Gelenke wie Hüft- und Knie- sowie Schulter- und Ellengelenke sind zuweilen von einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung betroffen.
  • Eventuell kommt es zu einer Entzündung der Regenbogenhaut der Augen (Iritis).
  • Eine Entzündung der Hauptschlagader ist möglich (Aortitis).
  • Zuweilen treten chronische Erkrankungen von Darm- bzw. Urogenitaltrakt auf.

  Wie erkennt der Arzt diese Erkrankung?

Wegweisend sind die vom Patienten beschriebenen Beschwerden. Daneben können Laboruntersuchungen entscheidende Hinweise geben, da oftmals das so genannte HLA-B27-Antigen im Blut nachgewiesen werden kann. Zwingend ist die Durchführung von Röntgenuntersuchungen des Beckens und der Wirbelsäule, um Veränderungen der Gelenke nachzuweisen. Weitere Verfahren wie Kernspintomographie und Szintigraphie können bei der Diagnose zusätzlich helfen.

  Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Da eine ursächlich wirkende Behandlung nicht zur Verfügung steht, stellt die konsequente und lebenslang durchgeführte Bechterew-Gymnastik - zunächst unter physiotherapeutischer Anleitung, in weiterer Folge eigenständig - die wichtigste Maßnahme dar. In vielen Fällen kann dadurch der Versteifungsprozess gebremst, der Schmerz gelindert und eine schwere Beeinträchtigung vermieden werden.

Zur Schmerzlinderung kann der Arzt schmerz- und entzündungshemmende Medikamente verabreichen.

Der Arzt wird darüber hinaus zu schmerzlindernden, muskelentspannenden und durchblutungsfördernden Therapien raten.

Falls die Beweglichkeit bereits deutlich vermindert ist, kann sich der Patient einer Gelenksersatzoperation unterziehen. Ist zudem das Gesichtsfeld eingeschränkt, wird möglicherweise eine Operation zum Aufrichten der Wirbelsäule notwendig.

Generell bestehen hinsichtlich des Verlaufs der Erkrankung starke individuelle Unterschiede. Vor allem bei Frauen verläuft der Morbus Bechterew oftmals mild und ohne ausgeprägte Versteifung der Wirbelsäule. 

 

Autor: Dr. Christoph Weinhardt

Bearbeitet von: Dr. Christian Maté

Quellen:

  • Möglichkeiten der Basistherapie des M. Bechterew: Schneider, M., Internist 40 (1), 110-201, 1999.
  • Spezifische und unspezifische sportliche Aktivitäten der Patienten mit M. Bechterew: Falkenbach, A.; Werny, F.; Gutl, S.; Wigand, R., Rehabilitation 36 (1), 48-50, 1999.
  • Neue Aspekte der Pathogenese des M. Bechterew: Marker-Hermann, E.; Sucke, B.; Meyer zum Buschenfelde, KH., Z Rheumatol 55 (1), 4-18, 1996.
  • Alternative Therapien. Chancen für den M. Bechterew: Berquet, KH., Versicherungsmedizin 43 (5), 140-142, 1991.
  • Dagfinrud H, Hagen K: Physiotherapy Interventions for Ankylosing Spondylitis
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